Rudolstadt ist bunt – über die konsequente Verleugnung des provinziellen Elends

Zusammen mit Unterstützern und Unterstützerinnen vom Bündnis „Zivilcourage und Menschenrechte“ haben wir einen Flyer erstellt, der über die Zustände in Rudolstadt aufklären soll. Hier der Link: Infoblatt_rudolstaedter_zustaende

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4 Gedanken zu „Rudolstadt ist bunt – über die konsequente Verleugnung des provinziellen Elends

  1. guten abend,
    da ich schon ahnte, dass dieses merkwürdige „wir sind eine tolerante stadt“-plakat am rudolstädter rathaus nicht ohne grund dort hing, war ich mal kurz auf der zumsaru-seite, dieses unsägliche standortschutzbündnis, und bin dabei auf eure seite – wenn man so will – aus zufall gestoßen.

    nun bin ich mir nicht ganz klar darüber, was eigentlich euer ansinnen ist. nehmen wir mal die überschrift „nazis ignorieren“, so war mein erster gedanke: cool, endlich mal leute, die kapiert haben, was das damalige bgr leipzig als einen seiner besten sätze formulierte, nämlich „antifa heißt ausschlafen“. nun scheint mir das aber gar nicht so gemeint zu sein, wenn man das aufklärungsflugblatt über rudolstadt liest, oder? dabei wäre es doch wirklich das beste, diesen ganzen budenzauber mit nazis und standortschützern zu meiden, anstatt auch noch mit diesem bündnis gemeinsame sache zu machen. nun kenne ich die einzelnen personen nicht, doch was die so auf die straße bringen, ist doch unterste schublade. zu nennen wäre nur die rede des bürgermeisters vorm theater, der die nazis zum dialog eingeladen hat, ohne dass das jemandem aufgefallen wäre. selbst ein vermeintlicher schwarzer block klatschte vollkommen berauscht.

    die nazis zu ignorieren, anstatt diesem standorttheater sowas wie einen kritischen touch zu geben, wäre auch deshalb so wichtig, weil die nazis nämlich – ganz anders als in der 1990ern – überhaupt keine gesellschaftliche relevanz haben. und wenn, dann maximal im osten, der eh eine sonderbewusstseinszone ist. und selbst da nimmt in der fläche die bedeutung der nazis ab. stattdessen, und darauf wäre der fokus zu legen, formiert sich ja die volksgemeinschaft 2.0 gerade gegen nazis. man denke nur an siegmar gabriels rede von den undeutschen typen in bezug auf die sachsen. das heißt, es wäre zuvörderst auf das faschistische potenzial des neuen deutschland und seiner volksgemeinschaft gegen rechts hinzuweisen, anstatt den provinztrotteln in rudolstadt noch vorzuwerfen, sie machen das ja alles ganz falsch. und von einem rechtsruck der gesellschaft, wie auf der zumsaru-seite behauptet, kann schon gar keine rede sein. es sei denn, man will die afd als nachfolger der nsdap abstempeln, wie das ein bündnis aus berufstürken bis hin zu konkret macht. gerade die afd eignet sich dazu, zu erkennen, wir hier volksfeinde markiert werden, um das hippe deutschland in generalmobilmachung zu versetzen, als stünde der neue faschismus bevor. nicht, dass ihr mich falsch versteht: die afd ist ein weitestgehender drecksverein und man kann sich recht schnell klar machen, woher die attraktivität dieser partei kommt. umgekehrt wäre es doch aber viel besser, sich klar zu machen, welches bedürfnis dahinter steckt, dass jetzt alle auf antifaschistische aktion deutschland machen. sofern euch das interessiert, mache ich gern eigenwerbung und verweise auf einen artikel dazu in der aktuellen bahamas, der auch online ist.

    zurück zu diesem bündnis: wenn man sich jetzt darauf einlässt und die provinzialität des ostens ins visier nimmt, was man unbedingt machen sollte, dann sollte man aber eines bei all dem nazikram nicht vergessen, nämlich eure bündnispartner von der linkspartei. diese ist viel gefährlicher als es eine npd jemals war. oder anders ausgedrückt: ohne den zonenpatriotismus der pds kein völkisch -nationaler widerstand im osten.

    mit besten grüßen
    mario möller

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    • Guten Abend, der Kommentar ist durchaus berechtigt und aus unserer Sicht verständlich so wie er formuliert ist. Wir haben die Themen, die Sie angerissen haben in anderen Texten durchaus kritisch beleuchtet und erörtert und wir stehen mit dem Bündnis in Kontakt, da es durchaus Menschen dort gibt die sich für unsere Kritik interessieren und für uns werben bzw. uns auf ihren Kundgebungen sprechen lassen. Es ist eine Plattform über die wir durchaus interessierte Menschen erreichen können, und diese Chance wollen wir nicht ungenutzt lassen. Zudem ist es die erste Gruppe, mit der wir überhaupt zusammen arbeiten können und die uns aktiv zu Wort kommen lässt.

      Die Kritik an der Linkspartei ist tatsächlich ein Element das bisher etwas zu kurz gekommen ist in unseren Texten obwohl wir das Thema des öfteren jedoch angeschnitten haben, da ist aber noch viel ungesagtes, was noch nachzuholen wäre.

      Zum Thema „Nazis ignorieren“: Prinzipiell finden wir es okey, praktizieren es größtenteils als Gruppe selbst, da wir, wenn wir nicht eine eigene Kundgebung anmelden, nicht an Demonstrationen teilnehmen, dort auch hier in der Umgebung nicht so gern gesehen sind aufgrund unseres Standpunktes. Wie in unserem Text implizit erwähnt finden wir es okey und nachvollziehbar Nazis zu irgnorieren bzw. nicht an den Gegendemos teilzunehmen die eben nur Teil des Problems sind.

      Wir haben daran nur kritisiert, dass man sich dazu trotzdem, wie es die Organisationen aus Rudolstadt taten, öffentlich inzenieren muss, und zudem öffentlich enorm bescheidene Statements dazu abgeben muss. Das was wir kritisieren wollten ist die Selbstinszenierung als moralisch erhaben, obwohl einem die psychische Stagnation quasi ins Gesicht geschrieben steht und sich in den Redebeiträgen etc. wiederfindet.

      In Bezug auf den Rechtsruck, wo wir Ihnen ebenfalls zustimmen, haben wir in unseren Redebeiträgen und Texten eine Stellung bezogen die wesentlich mit der Ihrigen übereinstimmt.

      Unser zentrales Anliegen in dem angesporchnem Flugblatt war es die THÜGIDA-Bewegung inhaltlich aufzuschlüsseln und aufzuzeigen, dass diese eben anders aufgestellt ist als PEGIDA, was aus unserer Sicht wichtig ist wenn man selbige ernsthaft kritisieren möchte.

      Kurz gesagt ist jenes Bündnis in der Umgebung die einzige Gruppe mit der sich arbeiten lässt, auch wenn es Punkte gibt, die sicher zu kritisieren sind.

      Zum Abschluss noch unsern Respekt für den Artikel in der Bahamas, dieser war scharfsinnig und treffsicher.

      Danke für die Kritik, wir bekommen nicht oft ein Feedback, noch dazu ein gutes.

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  2. Achja, als Ergänzung zu der Debatte möchten wie auf einen Text von uns verweisen, der dem besagten Flyer vorausging und teilweise als dessen Grundlage dient. Der Flyer ist nur zu einem Teil direkt unserer Feder entsprungen, hauptsächlich der erste Teil ist von uns, daher wäre es sicherlich eine gute Ergänzung unseren Text zu lesen: https://wordpress.com/post/lastdaysinaprilblog.wordpress.com/161

    Wir hoffen, einige Unstimmigkeiten klären sich damit auf.

    Liebe Grüße.

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